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Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 – Spielregeln, Förderung und was das für dich bedeutet

18. Mai
5 Min. Lesezeit

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Die Riester-Rente ist Geschichte. Ab dem 1. Januar 2027 startet in Deutschland ein komplett neues System der geförderten privaten Altersvorsorge: das Altersvorsorgedepot. Der Bundestag hat das Gesetz Ende März 2026 beschlossen.

Was steckt dahinter? Wer profitiert wirklich? Und was solltest du jetzt konkret tun?

Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen — ohne Fachjargon, ohne Marketing, mit allen relevanten Zahlen.


Warum überhaupt eine Reform?

Die Riester-Rente hatte ein fundamentales Problem: Sie war so konstruiert, dass das angesparte Kapital am Ende garantiert vorhanden sein musste. Klingt sicher — war aber der Grund, warum Riester-Produkte kaum in Aktien oder ETFs investieren konnten. Das Ergebnis: mickrige Renditen, hohe Kosten, enorme Komplexität.

Wenig überraschend haben Millionen Deutsche ihre Riester-Verträge beitragsfrei gestellt oder gar nicht erst abgeschlossen. Das neue System soll das ändern — grundlegend.


Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot. Kein Versicherungsprodukt, kein Sparvertrag mit Garantie — sondern ein echtes Depot, in dem du in Fonds und ETFs investieren kannst.

Der entscheidende Unterschied zur Riester-Rente: Es gibt keine Beitragsgarantie mehr. Das klingt auf den ersten Blick riskanter. Ist es aber der Schlüssel zu einer deutlich höheren Rendite — weil das Geld jetzt vollständig am Kapitalmarkt arbeiten kann, ohne durch eine Garantiestruktur gebremst zu werden.

Erlaubt sind Fonds der Risikokategorien 1 bis 5 von 7 — also breit gestreute Aktien- und Mischfonds sowie ETFs. Hochspekulative Einzelwerte oder Hebelprodukte sind ausgeschlossen.


Die Förderung im Detail

Hier liegt einer der größten Vorteile des neuen Systems. Die staatliche Förderung ist deutlich attraktiver als bei Riester und — besonders wichtig — einkommensunabhängig.


Grundzulage

Die Förderung funktioniert in zwei Stufen:

  • Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es 50 Prozent Zulage — also bis zu 180 Euro vom Staat.

  • Auf weitere Einzahlungen bis 1.800 Euro gibt es 25 Prozent Zulage — also bis zu 360 Euro zusätzlich.

Maximale Grundzulage: 540 Euro pro Jahr. Dafür musst du 1.800 Euro im Jahr selbst einzahlen — also 150 Euro pro Monat.


Kinderzulage

Familien profitieren besonders stark: Pro Kind und Jahr gibt es 300 Euro Kinderzulage — und das bereits ab einem monatlichen Eigenbeitrag von nur 25 Euro. Das ist ein erheblicher Schritt gegenüber dem bisherigen Riester-System.

Berufseinsteigerbonus

Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, bekommt einmalig 200 Euro vom Staat obendrauf. Ein starker Anreiz, früh anzufangen.

Einzahlungsgrenze

Du kannst bis zu 6.840 Euro pro Jahr in das Altersvorsorgedepot einzahlen. Für alles über 1.800 Euro gibt es zwar keine zusätzlichen Zulagen mehr — aber du profitierst weiterhin vom wichtigsten steuerlichen Vorteil des Depots.


Der steuerliche Vorteil: Keine Abgeltungssteuer in der Ansparphase

Das ist einer der größten Hebel des neuen Systems, der in der öffentlichen Diskussion oft untergeht.

Bei einem normalen Depot zahlst du auf Kursgewinne, Dividenden und Zinsen jährlich Abgeltungssteuer — aktuell 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Das bremst den Zinseszinseffekt erheblich, weil ein Teil deiner Erträge jedes Jahr ans Finanzamt geht statt wieder investiert zu werden.

Im Altersvorsorgedepot entfällt diese Steuer während der gesamten Ansparphase. Dein Kapital wächst vollständig und unversteuert — über Jahrzehnte hinweg ein enormer Unterschied. Erst in der Auszahlungsphase, also im Ruhestand, wird das ausgezahlte Geld besteuert. Dann aber oft zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz, weil das Einkommen im Alter in der Regel geringer ist.

Wer möchte, kann Einzahlungen außerdem als Sonderausgaben in der Steuererklärung absetzen — bis zu 6.840 Euro im Jahr.


Wer ist förderberechtigt?

Hier gibt es eine wichtige Neuerung gegenüber der Riester-Rente: Erstmals können auch Selbstständige und Freiberufler das geförderte Altersvorsorgedepot nutzen. Bisher war diese Gruppe weitgehend ausgeschlossen.

Förderberechtigt sind grundsätzlich:

  • Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Auszubildende in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis

  • Selbstständige und Freiberufler, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind

  • Beamtinnen und Beamte

  • Eltern während der dreijährigen Kindererziehungszeit

  • Personen, die pflegebedürftige Angehörige (mindestens Pflegegrad 2) zu Hause betreuen


Flexible Auszahlung — endlich kein Versicherungszwang mehr

Bei der Riester-Rente war eine lebenslange Versicherungsrente Pflicht. Das zwang viele Sparer in teure Versicherungsprodukte, auch wenn sie eigentlich lieber flexibler auf ihr Kapital zugreifen wollten.

Das neue System ändert das: Im Altersvorsorgedepot ist kein Versicherungsmantel mehr verpflichtend. Du kannst das angesparte Kapital über einen flexiblen Auszahlungsplan beziehen — auch als sogenannte Zeitrente über einen festgelegten Zeitraum. Wer eine lebenslange Rente bevorzugt, kann diese weiterhin wählen. Aber es ist keine Pflicht mehr.


Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Bestehende Riester-Verträge werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt. Du hast drei Möglichkeiten:

Vertrag weiterführen: Wer mit seinem Riester-Produkt zufrieden ist oder sich auf die Auszahlungsphase zubewegt, kann den Vertrag einfach fortführen. Neue Riester-Verträge können ab 2027 allerdings nicht mehr abgeschlossen werden.

Kapital übertragen: Du kannst dein gesamtes angespartes Riester-Guthaben in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen — auch zu einem anderen Anbieter. Das ist besonders interessant, wenn dein bisheriges Riester-Produkt teuer und renditeschwach ist.

Beitragsfrei stellen und neu starten: Du lässt den alten Vertrag ruhen und schließt ein neues Altersvorsorgedepot ab. Das angesammelte Kapital bleibt im alten Vertrag bis zur Auszahlung erhalten.

Wichtig: Der Wechsel ins neue System ist eine Einbahnstraße. Wer sein Riester-Kapital überträgt, kann nicht zurück ins alte System. Eine individuelle Berechnung, welche Option sich für dich lohnt, ist daher sinnvoll.


Wo kann ich das Altersvorsorgedepot abschließen?

Das Depot wird ab 2027 bei verschiedenen Anbietern verfügbar sein: Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungsunternehmen und Neobroker. Zusätzlich plant die Bundesregierung ein öffentlich verwaltetes Standardprodukt — eine Art staatliche Basisvariante als Orientierungsmaßstab für Kosten und Konditionen.

Wer bei einem Versicherer abschließt, sollte aufpassen: Dort wird das Depot häufig als fondsgebundene Rentenversicherung verpackt — mit entsprechend höheren Kosten. Ein reines Depot-Modell ohne Versicherungsmantel ist in der Regel die kostengünstigere Variante.


Und die Frühstart-Rente?

Parallel zum Altersvorsorgedepot führt die Bundesregierung die sogenannte Frühstart-Rente ein: Der Staat zahlt für jedes Kind ab dem sechsten Geburtstag monatlich 10 Euro in ein individuelles Depot — unabhängig vom Einkommen der Eltern. Die Förderung läuft bis zum 18. Geburtstag. Macht zusammen 1.440 Euro Staatsgeld pro Kind — die, über Jahre am Kapitalmarkt investiert, im Erwachsenenalter ein solides Startkapital bilden können.


Was das in der Praxis bedeutet — ein Beispiel

Nehmen wir eine 35-jährige Angestellte mit zwei Kindern, die 150 Euro pro Monat (1.800 Euro/Jahr) einzahlt:

Position

Betrag pro Jahr

Eigenbeitrag

1.800 €

Grundzulage vom Staat

+ 540 €

Kinderzulage (2 Kinder)

+ 600 €

Gesamtanlage

2.940 €

Dazu kommt: Kein Abzug von Abgeltungssteuer während der Ansparphase. Über 30 Jahre hinweg kann dieser Steueraufschub — kombiniert mit dem Zinseszinseffekt — einen Unterschied von mehreren zehntausend Euro ausmachen.


Was du jetzt tun solltest

Das Gesetz ist beschlossen, der Start ist der 1. Januar 2027. Das bedeutet: Es ist genau der richtige Zeitpunkt, jetzt zu analysieren, welche Option für dich die beste ist.

Hast du bereits einen Riester-Vertrag? Dann lohnt ein genauer Blick auf die Konditionen und die Frage, ob ein Wechsel oder eine Übertragung sinnvoller ist.

Bist du Selbstständiger oder Freiberufler und hattest bisher keinen Zugang zur geförderten Altersvorsorge? Dann öffnet sich ab 2027 eine neue Möglichkeit — mit echter staatlicher Unterstützung.

Hast du noch gar keine private Altersvorsorge? Dann ist das Altersvorsorgedepot ein guter Anlass, das jetzt anzugehen.

Als freier Finanzmakler begleite ich meine Kunden dabei, die richtigen Entscheidungen für ihre Altersvorsorge zu treffen — ob beim Wechsel aus einem alten Riester-Vertrag, beim Neustart oder bei der Frage, wie das Altersvorsorgedepot in eine bestehende Vermögensstrategie passt. Wenn du wissen möchtest, welche Option für dich konkret die sinnvollste ist, lass uns sprechen.

Hinweis: Alle Angaben basieren auf dem vom Bundestag verabschiedeten Gesetzentwurf (Stand März 2026). Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen. Details zur Umsetzung können sich noch ändern.

Kategorien: Altersvorsorge, Altersvorsorgedepot, Riester, ETF, Vermögensaufbau, Förderung Lesezeit: 7 Minuten

 
 
 

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